Das feine Herbst Dessert
"Zaubersäckli" ist ab sofort bei uns erhältlich und Sie werden diese
Geschichte von uns in gekürzter Fassung erhalten
„Miraroca,
ein Troll im Richisau
Nein, sagen alle, die sich mit Sagen, Märchen
sowie Zwergen, Gnomen und Feen im Glarnerland auseinandergesetzt haben, nein
Trolle gab s nur in Nordländern wie Norwegen, Schweden oder Finnland. Stimmt
nicht! Können wir heute behaupten, denn es gab irgendwann in grauer Vorzeit
einen Troll namens Miraroca im Richisau. Wie wir darauf gekommen sind? Nun ja,
wir erklären es gerne! Neben dem Gasthaus Richisau steht ein uralter zum Teil
aus Gehöhlter Ahorn. Irgendwie hat uns dieser seltsame Baum, er muss ja um die
dreihundert Jahre alt sein, fasziniert. Wir gingen hin, stocherten in der Höhlung
herum, und siehe da in der schwarzen Erde am Boden fanden wir eine ziemlich
vermoderte Holz Schatulle in deren Inhalt sich eine relativ gut erhaltene
Pergamentrolle befand. Die Geschichte die wir darauf fanden hat uns so sehr berührt
dass wir sie Ihnen unbedingt weitergeben möchten. Nun ja, klar, diese
Geschichte beginnt in Norwegen und nochmals klar in Trollheim in der Nähe des
Kristian sund. Trollheim, damals ein armes Bauerndorf konnte sich steht’s auf
die Hilfe der kleinen Trolle verlassen, wenn es darum ging vor dem nächsten
grossen Regen die spärliche Ernte einzubringen und sie dankten es den Trollen
mit Gaben aus Ihrem Landesertrag. Doch dann kam irgendwann Christoph Columbus
aus Südamerika zurück und brachte die Kartoffel nach Europa. Dies veränderte
das Leben der Bauern in Norwegen gewaltig, sie hatten steht’s genug zu essen
und sie benötigten die Hilfe der Trolle immer weniger. Wie jeder weiss, wohnten
die Trolle steht’s in ausgehöhlten Bäumen, meistens Eichen, oder Ahorne, und
da jetzt mangels täglicher Aufgaben immer alle zuhause waren, entstand ein
erheblicher Platzmangel. Um dem Abhilfe zu schaffen, wie es damals so üblich
war und um all seinen kleinen Geschwistern zu helfen, musste der Troll Nils als
ältester ausziehen. Was wir noch fast vergessen hätten…. jeder Troll bekommt
bei seiner Geburt eine bestimmte Fähigkeit geschenkt, der eine weiss, wo die
schönsten Pilze wachsen, der andere weiss wo die besten Pilze wachsen, der
andere weiss wo die besten Kräuter wachsen und unserem Troll Miraroca, „daher
sein Name“ schenkte man die Fähigkeit Kristalle zu sehen.
(Doch darauf kommen wir später zurück)
Also denn Troll Nils machte sich auf
seine weite Reise, hatte er doch von kundigen Seefahrern gehört, dass im Süden
Europas ein Land
Namens Spanien existiert an dessen sonnigen Gestaden sie sich tagelang gesonnt hätten.
Da will ich hin, sagte er sich, packte seine spärlichen Siebensachen und zog
los. Er überquerte zwei Fjorde und auf der Brücke über den dritten den
Sunndals Fjorden,
setzte er sich müde des Wanderns und verzagt über den Verlust seiner Familie
am Rande der Brücke hin. Nebel kam auf und hüllte den weinenden und frierenden
kleinen Troll ein. Da, plötzlich, er schrak auf und hörte
ein Singen. Nanu was ist das, fragte sich unser trauriger Troll Nils.
Durch die sich langsam verziehenden Nebelschwaden und des sich wieder zeigenden
schalen Mondlichts, sah er eine grosse Gestallt auf sich zukommen. Schiffermütze
auf dem Kopf, blaue Seemannsjacke, eine halbleere Flasche Aquavit in der einen
Hand in der anderen einen qualmenden Pfriem, schnaufte er den zitternden Troll
an: Was willst du hier, du kümmerlicher Wurm. Ich muss unbedingt nach Spanien
entgegnete furchtsam unser kleiner Freund. Trifft sich gut, sagte der bärtige
Riese, ich bin Kapitän Olaf von der Esmeralda, wir laufen morgen aus, fahren
zum Nordspanischen Hafen “Arbol del infierno“ kannst mitkommen, aber bleib
nicht zulange, dieser Hafen, wie schon sein Name : Baum der Hölle“ sagt, ist
gefährlich. Übrigens sagte Olaf zu unserem kleinen Troll: Du hast Dich nützlich
zu machen in der Kombüse und an Deck. Glücklich, wie er nun war, sagte Troll
Nils, tu ich gerne Olaf, es wird alles zu Deiner Zufriedenheit geschehen. Kapitän
Olaf hob den kleinen Troll samt seiner bescheidenen Habe auf und nahm ihn mit an
Bord der Esmeralda. Früh am Morgen des nächsten Tages ging die Reise und das
Leiden des Trolls Nils los. Morgens um fünf Kartoffeln schälen, dazu das Gespött
der gross gewachsenen breitschultrigen blonden Nordländer. Anschliessend
Deckschruppen! Könnt Ihr euch vorstellen, was es für einen knapp fünfzig
Zentimeter kleinen Troll bedeutet ein 60 m langes Deck täglich zu schruppen.
Wohl eher nicht, seid ja eher Land Bananen, wie wir Euch zu nennen pflegen. Ist
aber nicht böse gemeint. Man
traf nach einer etwas beschwerlichen Überfahrt in ebendiesem Hafen in
Spanien ein, der Troll Nils musterte ab, verabschiedete sich von Kapitän Olaf
und sagte: Nein hier ist es nicht, meine Bestimmung
von Alters her ist es in die Berge zu gehen Kristalle zu schauen sie zu
finden und den Menschen durch die Kraft der Steine, die ich Ihnen bringen,
Liebe, Vertrauen und Kraft gegenüber Ihren Partnern zu schenken.
Er machte sich auf den Weg, dieser wurde immer beschwerlicher, es wurde
immer steiler, nun ja die Pyrenäen sind kein Spielplatz, das weiss jeder, der
mal dort war. Nun denn, unser Troll Nils lief und lief, bergauf, bergab und
wieder bergauf, schaute sich die Felsen und Berge an und sagte sich steht s:
Nein, nein, hier ist es nicht. Seine Füsse waren wund, seine kleinen Beinchen
taten ihm weh vom ewigen Wandern, dann endlich traf er in Guipuz coa einem
kleinen Bergdorf in den Pyrenäen ein. Dies ist ein guter Ort sagte er sich, die
Menschen sind freundlich, es gibt gutes Essen und die berge und Felsen riechen
nach Kristallen. Mit seinen letzten ihm verbliebenen Oeren, einem Geschenk
seines Vaters Orindo mietete er sich eine klein Bleibe. Nächstentags frühmorgens
hungrig wie er war, ging er in den kleinen Dorfladen um sich etwas fürs Frühstück
zu kaufen. Just an diesem Tage arbeitete die etwas kleinwüchsige blonde
Aracelis im Laden ihres Vaters Ophelio. Ein Lächeln ein Blick und die beiden
verliebten sich Hals über Kopf ineinander. Nun denn fragte Ophelio eines Tages
den Troll Nils, wie willst Du denn unsere Tochter und dereinst Eure Kinder ernähren,
hast du überhaupt einen Beruf um dies zu gewährleisten. Nein das habe ich
nicht, aber was ich habe, ist die Fähigkeit Kristalle in Euren Bergen zu sehen,
sie zu holen und zu verkaufen. Gut, sagte Ophelio, dann lebt Eure Liebe und von
uns im Dorf bekommst du den Namen Miraroca den Felsenschauer.
Einige Zeit ging alles gut, bis der Neid der Dorfbewohner von Guipuz coa
diese junge schöne Liebe zu zerstören begann. Jeder ärgerte sich steht s dass
Miraroca die schönsten blauen, rosa, oder weissen Kristalle zum Verkauf
brachte, Steine, von solcher Schönheit die sie nie imstande waren in Ihren
eigenen Bergen zu finden. Um Ihren Verdienst zu sichern, beschlossen die
Dorfbewohner den Troll Miraroca aus Ihrem Dorf zu vertreiben. Sie rissen des
Nachts seine Gartenzäune nieder, vertrieben seine paar Pyrenäen Schafe, die er
zusammen mit Aracelis hegte und pflegte und scheuten selbst davor nicht zurück,
Feuer an seine kleine Bleibe zu legen. Zornig ob all dieser Missgunst sagte
Miraroca zu seiner geliebten Aracelis: Hier können wir nicht bleiben, ich muss
losziehen und für uns beide einen Ort finden wo wir in Liebe und Frieden
zusammen bleiben können. Kurz und gut, Miraroca zog los, über Süd –
Frankreich, durchs Rhone Tal hoch, liess Lyon hinter sich, Genf behagte ihm
nicht, kam nach Altdorf, überquerte den Klausen, hörte in Glarus von einer Fee
namens Sharazyrah und
machte sich auf den weg ins Richisau. Hier angekommen, blickte er sich
um, sah die vielen schönen Ahorne und sagte sich: ja das ist es, hier möchte
ich mit meiner Aracelis glücklich werden. Unverzüglich begann er eine der
dicksten Ahorne auszuhöhlen um ein erstes Heim für sich und seine Geliebte zu
schaffen (dieser Baum steht heute noch, direkt neben dem Gasthaus Richisau, hier
fanden wir auch die Schatulle mit der Schriftrolle). Auch sandte er ihr eine
Nachricht, damals halt noch per Pferde – Kurier. Liebste, ich habe den schönsten
Ort der Welt der Ruhe und des Friedens gefunden. Bitte mach Dich auf den zwar
weiten Weg, aber komm möglichst schnell hierher. Und dann wartete Troll
Miraroca und wartete auf seine Aracelis. Er suchte und fand auch hier seine
Kristalle, verkaufte einen Teil im Tal um seinen bescheidenen Lebensunterhalt zu
bestreiten, den Rest versteckte er unter den zahlreichen Ahornwurzeln. Als nach
zwei, drei Jahren Aracelis immer noch nicht eingetroffen war, grämte sich
Miraroca so sehr, dass er beschloss, sich auf den hohen dichten Ast eines
benachbarten Ahorns zu setzen damit er sie ja nicht übersehe wenn Sie denn käme.
Die Zeit verging, Aracelis kam nicht, und der Ahorn, dieser alte kluge Baum,
hatte Erbarmen mit dem leidenden Troll Miraroca. Er sagte zu ihm: Bleib bei mir
auf meinem Ast und wachse über Dich hinaus. Und genauso passierte es: Miraroca
begann sich zu verwandeln, verlor seinen Bart, der fiel zu Boden und ist heute
noch im Besitz des Gasthauses Richisau, und begann als kleine Tanne auf dem kräftigen
Arm des Ahorns zu wachsen. Was Miraroca nicht wusste war, dass seine Nachricht
Aracelis nie erreicht hatte, Sie sich aber weh vor Sehnsucht nach ihm schon längst
auf den Weg gemacht hatte. Sie fand nach langer Suche denn auch das Richisau,
traf hier Sharazyrah und fragte sie wo bloss ist mein Geliebter Miraroca. Komm
mit ich zeigs Dir, schau da oben auf dem Ahorn, das ist dein Miraroca. Nun gut,
sagte Aracelis, ich bin nun aus dem fernen Spanien hierher gereist um bei Ihm zu
sein, im Leben ist es wohl jetzt nicht mehr möglich, so soll es wenigstens im
Tod so sein. Sie stieg auf den Baum, liess sich auf dem
Ast unter Miraroca nieder und der gütige Ahorn nahm auch sie auf,
verwandelte sie in ein kleines Tännchen, so daß die beiden Glücklosen nun
endlich auf einem starken Fundament in ewiger Liebe verbunden bleiben.
PS: Die beiden Tännchen auf dem Ahorn,
die Seelen von Miraroca und Aracelis sind von der Gartenwirtsaft Richisau aus
Sichtbar
Nebenbei:
Sharazyrah hat uns verlassen um ein
weiteres Mal nach Ihrem Zwerg Bartli zu suchen, weswegen wir das Rezept für
unser Herbst Zaubersäckli der Schriftrolle des Troll Miraroca entnommen haben.
Wir erwarten sie aber spätestens nächsten Frühling
zurück.
© by
Jean-Pierre Steiger und Annamarie
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